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Unterwegs im Park BabelsbergWir fragen, die Robinie antwortet

Fürst Pückler warnte einst, der Mensch sei furchtbar im Zerstören und gebrechlich im Aufbauen. Dabei übersah er das Wichtigste: das Geschehenlassen.

D ie ganze Pracht des Babelsberger Parks lässt sich am besten von außen erfassen, vom gegenüberliegenden Ufer der Havel. Je nach Standort thront links das Schloss fast ganz oben auf dem Berg, auf dem Gehölze wachsen, die einem Laubmischwald gleichen. Zum Flussufer hin gehen sie in weite Wiesen über.

Während Künstler die schon Anfang des 19. Jahrhunderts als verletzlich erkannte Landschaft malten, malte der preußische Adlige Fürst Hermann von Pückler-Muskau in Potsdam mit Natur und Landschaft. Er wollte sie durch Kunst veredeln und begriff den Park des Kronprinzen als eine verdichtete, idealisierte Natur.

Aber der Hund will nicht schauen, sondern laufen. Also los. Vom Theater aus ist der Weg über die Nuthe-Schnellstraße der kürzeste in den Park. Über die Brücke, links die Treppen runter und an der Havel entlang bis zum Eingang. Der Hund stromert gerne am Wiesenrand entlang, den Babelsberg hinauf, denn dort, im Gebüsch, sind manchmal Rehe.

kolumne parkmöglichkeiten

Heike Holdinghausen schreibt in dieser Kolumne über Natur und darüber, wie der Mensch sie gestaltet sowie zerstört. Schauplatz ist der Schlosspark Babelsberg, in dem sie seit Jahren fast jeden Tag spazieren geht. Das ist nie langweilig, denn der Park ist 124 Hektar groß, sein Wegenetz umfasst über 20 Kilometer. Das ist zwar nur halb so groß wie der Berliner Tiergarten, aber fast dreimal größer als der Vatikan.

Da wachsen auch Traubeneichen, Rotbuchen, Linden und Ulmen, mächtige Bäume, einige seit 200 Jahren. Diese Pflanzen sind zugleich Skulpturen, die eine Idee verkörpern, die Idee von Schönheit und Harmonie. Nichts ist zufällig hier. Schloss, Flatowturm und Feldherrenhügel des Parks, seine Wege, Bäume und die Lücken dazwischen zielen auf dynastisch-familiäre Bezüge der Hohenzollern, bilden landschaftliche Besonderheiten ihres Herrschaftsgebietes ab, erinnern an militärische Erfolge.

Traubenkirschen und Robinien gedeihen

In einer Zeit angelegt, als die Europäer begannen, ihre Landschaften im Sinne der effizienten Nutzbarmachung umzugestalten, gestaltete Pückler den Babelsberger Park zum Denkmal; für die Herrscherfamilie und für die Gestaltungskraft des Menschen selbst. Nicht Natur ist schön, sondern gestaltete Natur.

Hinnehmen, Zusehen – das konnte der Fürst nicht, und wir können es immer noch nicht

Dabei sei behutsam vorzugehen, mahnte der Fürst in seinen Schriften. Doch wenn er feststellte, die Macht des Menschen sei furchtbar und schnell im Zerstören, aber schwach und gebrechlich im Aufbauen, dann ließ er eine entscheidende Lücke. In dieser Fehlstelle steckt die ganze Misere im Umgang mit Natur, bis heute. Es fehlt nämlich, zwischen Zerstören und Aufbauen: das Hinnehmen. Das Geschehenlassen, das Nicht-Eingreifen, das Zusehen. Das konnte, in den 1840er Jahren, der Fürst nicht, und wir können es immer noch nicht.

Hier, im Park, den keine ökonomischen Interessen jagen, könnten wir es lernen. Denn während Eichen und Buchen dem Klimawandel erliegen, gedeihen Traubenkirschen und Robinien – und zwar in Massen. Auch sie wachsen hier nicht zufällig, zäh und munter trotzen sie Hitze und Trockenheit.

Anstatt die Pflanzen verbissen zu beseitigen, könnte die heutige Hüterin des Parks eine neue Idee für ihn entwickeln, in der sie, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, fragt und die Robinie antwortet: Welchen Vögeln, Käfern und Milben bieten die Neuankömmlinge einen Lebensraum? Welchen Schatten werfen sie im Sommer? Wie knistert ihr Laub im Winter? Müssen Bäume eines Schlossparks mächtig sein, seine Schönheit prächtig? Und wenn nicht, was heißt das dann? Dem Hund ist das, fürchte ich, allerdings egal.

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Heike Holdinghausen

Heike Holdinghausen Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

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2 Kommentare

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  • Ja!



    Einfach mal Nix machen.



    Das wäre ein Anfang.



    Doch, wie richtig gesagt, „ das können wir immer noch nicht“.



    Es ist sogar noch schlimmer.



    Bei mir vor der Haustür, tief im Westen, ist alles so überdüngt, dass bestenfalls mal Löwenzahn wächst.



    Obwohl gerade Jede*R merkt, wie wertvoll Schatten ist, werden Bäume und Büsche fleißig abgehakt. Das gilt im privaten wie im öffentlichen Bereich.



    Da fehlt es auch nicht an „Geld gegen Hitze“, sondern an Hirn.



    Schotter, Beton und Zerstörung sind Programm, das Alleen und schattige Oasen in den (Klein-) Städten verschwinden lässt.



    Um die boomende Verantwortung am Rande zu nennen, es handelt sich dabei häufig um Pflanzungen, die in den 80ern ff. gemacht wurden und jetzt zerstört werden.



    Ich bin ganz happy über meinen „wilden Garten“, der 20 Jahre Aufbau brauchte um jetzt grüne Lunge und Klimaanlage in einem zu sein.

  • Ich durfte in meinem (Berufs)leben erfahren, dass die Vorstellungen von Biologinnen und Naturschützern über die optimale Zusammensetzung einer Biosphäre doch sehr auseinandergehen. Es gab da die Trockenrasenfetischsten, die schon das Vorbeifahren einer Fuhre Mist an ihrem Hügel als Ammonikbelästigung ansahen. Und es gab die willkürliche Festlegung "einst" eingewanderter erfolgreicher Arten und die Verdammung von bösen Neophyten, die gerade einen aktuell schlechten Ruf haben. Es gibt noch heute regionale Artenmischungen für Insektenwiesen, die jedes Bundesland in Zonen unterteilen, in die man in Gottes Namen keine Samen aus anderen Zonen ausbringen darf. Komplett ignorierend, dass die stattfindende Wanderung der Arten durch den Klimawandel viel schneller abläuft. An der Wupper konnte ich beobachten, dass der böse Neophyt asiatischer Knöterich den bösen Bärenklau überwucherte und parallel noch als Spätblüher im Oktober den Insekten eine Weide bot. Und ich habe brav meine atmosfair Anpflanzungen finanziell unterstützt bis ich las, da an einigen Orten die natürliche Sukzession zum gleichen Ergebnis führt. Und können wir es uns erlauben in ALLEN Wäldern viel Totholz liegen zu lassen??